Kreative mitten in Berlin
Eine umfassende Studie zur Kreativwirtschaft in Berlin wurde gestern veröffentlicht. Dabei wurden 9000 Unternehmen in Berlin befragt. Berliner Kreativunternehmen sind demnach jung, selbstbewusst, standtorttreu, eher klein (max 10 Mitarbeiter), durchaus sozial engagiert und richten sich nach der Infrastruktur der Stadt.
Da 80 Prozent der Kreativunternehmen weniger als zehn Mitarbeiter beschäftigt und noch frisch auf dem Markt sind, sind diese auf finanzielle Starthilfen angewiesen. Diese und weitere Forderungen sind wichtige Erkenntnisse und wurden bei der Übergabe an die Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer präsentiert.
Kurzfassung der Ergebnisse:
- Kreativwirtschaft in Berlin ist jung: Nur 20 Prozent der Unternehmen wurden vor 1990 gegründet oder haben sich vorher in Berlin angesiedelt. Der weitaus größte Teil hat sich seit Mitte der 90er Jahre gegründet, 10 Prozent der Unternehmen sind sogar erst zwei Jahre alt oder jünger.
- Kreativwirtschaft in Berlin ist selbst-bewusst: Die Aufwertung von Quartieren bewegen die Branche nicht dazu, den Standort zu wechseln. Aber vier Fünftel der befragten Unternehmen in Berlin sind ganz oder teilweise davon überzeugt, dass die Kreativwirtschaft selbst die Stadt prägt und zum Entstehen von Szenevierteln beiträgt.
- Kreativwirtschaft in Berlin ist stand-orttreu: Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil, dass Unternehmen der Kreativwirtschaft „Standortnomaden“ seien, fand die Studie heraus: Nur ein Viertel der Unternehmen der Kreativwirtschaft in Berlin sind bereits mehrfach umgezogen. Den Standort wechseln meist ältere Unternehmen, und dies vor allem dann, wenn sie wachsen. Zwar werden auch in Berlin ständig neue Quartiere außerhalb der Innenstadt entdeckt – nach Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain sind dies derzeit Wedding und Neukölln. Sich dort ansiedelnde Unternehmen der Kreativwirtschaft sind aber meist neu entstanden.
- Kreativwirtschaft sitzt mitten in Berlin: Deutlich erkennbar sind zwei Cluster, City West und Mitte. Anders als in Städten wie London oder Paris, wo in den Innenstadtbezirken die Mieten oft unerschwinglich hoch für Unternehmen der Kreativwirtschaft sind, bietet das Zentrum Berlins noch genügend Raum zum Gründen und Wachsen.
- Unternehmen der Kreativwirtschaft in Berlin sind klein, aber sie wachsen: Vier Fünftel sind Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. Nur ein Prozent zählt zu den mittleren bis großen Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern. 15 Prozent der Befragten arbeiten ganz alleine. Mehr als die Hälfte der Unternehmen sehen ihre Zukunft positiv. Ein Drittel schätzt die Lage stabil ein, ein Viertel wächst, weniger als jeder Zehnte sieht sich in einer Phase der Konsolidierung oder Schrumpfung. Bereits heute hat die Kreativwirtschaft ein Beschäftigungspotenzial von 150.000 Arbeitsplätzen.
- Kreativwirtschaft in Berlin profitiert von der Infrastruktur der Stadt: Vor allem der öffentliche Nahverkehr wird intensiv genutzt und als Standortvorteil erkannt. Gleichzeitig erwarten die Unternehmen der Kreativwirtschaft vom Senat, dass weiter öffentliche Mittel in diese Infrastruktur investiert werden.
- Kreativwirtschaft in Berlin engagiert sich für den sozialen Zusammenhalt in der Stadt: Etwa ein Fünftel der Unternehmen der Kreativwirtschaft sind bereit zu Engagement in ihrer unmittelbaren Umgebung. Kein geringer Prozentsatz angesichts der Tatsache, dass die Unternehmen der Branche in Berlin oft sehr klein sind. Die Unternehmen unterstützen vor allem Unternehmensnetzwerke, Stadtteilfeste, Kultursponsoring, Schulen und Hochschulen sowie kommunale Sozialarbeit in den Stadtteilen.
- Kreativwirtschaft in Berlin hat Forderungen an Politik und Wirtschaftsförderung: An erster Stelle steht der Wunsch nach leichterem Zugang zu finanzieller Förderung. Oft sind die Investitionssummen der Unternehmen zu niedrig, oder bankübliche Sicherheiten nicht vorhanden. Die Förderinstrumente der IBB werden als guter Ansatz anerkannt. Außerdem erwartet die Kreativwirtschaft von der öffentlichen Hand weitere Investitionen in die bestehende, gute Infrastruktur von Öffentlichem Nahverkehr und Telekommunikation. Außerdem vermisst die Kreativbranche transparente Informationen über verfügbare Immobilien.
Quelle: Pressemitteilung der ORCO Germany S.A. vom 1.10.2008 (PDF)
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